Theater am Lindenhofe e.V.
Der Meteor

oder

Ein Nobelpreisträger kehrt zurück

Komödie von Friedrich Dürrenmatt

Regie: Robert Runer Bettendorf


Wir nehmen uns das Recht, bei diesem Stück großer Literatur, das zur Zeit seiner Entstehung bestimmt ganz andere Schwerpunkte setzen wollte, unsere eigene Sicht auf seinen Inhalt zu haben. Dass wir aber heute daran noch so viel zeitbezogenes Interesse entwickeln können, spricht für die aktuelle Bedeutung dieser Komödie.

Dazu muss man von Anfang an einige klarstellen, um gewissen eindimensionalen Interpretationen des Stücks aus der reinen Glaubensecke aufklärend entgegenzuwirken. Es geht um das Wunder der Auferstehung von Schwitter, die er gleich zweimal schafft. Für Dürrenmatt steht, als stark christlich geprägtem Sohn aus erzkonservativem Pfarrhaus, nichts dagegen, dass es zwischen Himmel und Erde Phänomene gibt, die wir uns nicht rationelle erklären können. Jedoch ist es gerade der extreme Rationalismus des Technologiezeitalters, der verhindert, dass dieses Phänomen überhaupt noch geglaubt oder angenommen werden kann. Und genau dieses so genannte Wunder der doppelten Auferstehung ist aus unserer Sicht heute nur ein Aspekt dieses modernen Totentanzes, der uns gerade durch die Aktualität anderer zentraler Problemstellungen ganz andere Schwerpunkte setzen lässt.

So gibt es in dieser extrem satirischen Komödie, die in manchen Teilen bis zur absurden Groteske reicht, immer wieder problembeladene Inhalte neu zu entdecken, auch wenn der Dichter selbst zu seiner Zeit ganz andere Schwerpunkte gesetzt hat. Und genau darum löst der "Meteor" in uns heute etwas ganz anderes aus als damals vor 50 Jahren. Wir verfolgen hauptsächlich zwei große Gedankenstränge in diesem Stück.

Einmal ist es die sozial-politisch relevante Enttarnung einer Gesellschaft in der alles, selbst auch geistige oder künstlerische Werte in Wer umgewandelt werden. Das literarische Werk Schwitters interessiert die Gesellschaft nur so weit, solange die Geschäftstüchtigen, die Ruhmreichen und die Umtriebigen des Tages irgendeinen materiellen Gewinn oder Vorteil daraus schlagen können. Darum verfolgen sie ihn alle bis an sein Totenbett, um auch noch das letzte Quäntchen an Vermarktungspotenzial aus ihm herauszupressen.

Und damit kommen wir zum zweiten sinngebenden Hauptstrang unseres Stücks, und dafür wählt Dürrenmatt den Kunstgriff des modernen Totentanzes als Komödie, um zu zeigen, dass das schöpferische Prinzip, in dem Fall in der Kunst und Literatur stärker und lebendiger ist, als jedes gewinnbringende Großgeschäft oder kleinliche Gehetzte nach den Vorteilen des Zeitgeistes.

Schwitter möchte als Künstler sterben, weil er am Ende mit seinem Werk auch nichts mehr verändert oder erreicht hat, als ein millionenschweres Vermögen, aber es kratzen dafür, an seiner Stelle, nach der Reihe, all die Mächtigen, Erfolgreichen und Habgierigen ab. Ihre scheinbare Gesundheit war trügerisch und wurde ihnen zum Verhängnis. Dürrenmatt lässt durch die Metapher des Totentanzes, eine kranke Gesellschaft und ihre Stützen an ihrem Denken und Verhalten zugrunde gehen, und nur der Künstler, der Schöpfer bleibt am Leben, wird unsterblich wie sein Werk, auch wenn er für sich persönlich eine ganz andere Lösung bevorzugt hätte.