Theater am Lindenhofe e.V.
Zehn kleine Negerlein
oder
und dann gab´s keines mehr

Bühnenfassung des gleichnamigen Kriminalromans von Agatha Christie

Auf einer einsamen Insel werden zehn geladene Personen beschuldigt, am Tod eines oder mehrerer Menschen schuldig zu sein. Nacheinander geraten sie frei nach dem Kinderlied "Zehn kleine Negerlein" in eine tödliche Falle. Bleibt bis zum Schluss die spannende Frage: Wer schwingt sich hier zum Richter über Leben und Tod auf?

Bei dem auffälligen Trend, Kriminalstücke in Funk und Fernsehen, in Büchern und auf der Bühne zu produzieren und vor allem zu konsumieren, greifen wir auf ein Meisterwerk des Genres zurück, bei dem es sich unserer Meinung nach lohnt, etwas genauer hinzuschauen. Der übliche Spaß an der Spannung, wer ist der Mörder, die unterschiedlichsten Charakterstudien, lässt uns Agatha Christie auf ihre meisterliche Art reichlich auskosten, aber wir wollen deutlich mehr herauslesen, dass es ihr in diesem Fall um viel mehr geht. Und gerade dies ist der entscheidende Punkt: Die zusätzlichen Fragen nach Schuld und Verantwortung jeder einzelnen der zehn auf dieser Insel aussichtslos gefangen gehaltenen Personen! Agatha Christie stellte diese Fragen 1939, und seither sind sie bis heute nicht weniger wichtig, spannend oder brisant geblieben, und vor allem stellen sie sich ganz unterschiedlich interpretierbar für jede einzelne Figur dar. In dem durch die Ausnahmesituation immer rascher einsetzenden Verfall der gesellschaftlichen Etikette, wird aus dieser Schar einander fremder Einzelkämpfer, - ums nackte Überleben kämpfende, einander misstrauende, Bündnisse knüpfende und wieder verwerfende, zunehmend
jeder Maske fallen lassende, besiegte Menschen, die nacheinander von ihrer Schuld eingeholt werden.

(Robert Runer Bettendorf)